Auf Initiative von Pfarrerin Dr. Ruth Sauerwein und Einladung für über 70-Jährige durch die Edith-Becker-Stiftung trafen sich am letzten Samstag im April an die dreißig Mitglieder der Paulusgemeinde und des Nachbarschaftsraums, um einen Eindruck zu gewinnen, wie die Pauluskirche nach ihrer Erstellung 1905 ausgesehen hat. Die Schwesterkirche in Wiesbaden: Lutherkirche - ebenfalls vom Darmstädter Architekten Friedrich Pützer 1910 gebaut, wie in Darmstadt, dem kirchlichen Kriterienkatalog „Wiesbadener Programm“ verpflichtet, hatte die Überwindung des in Wiesbaden vorherrschenden Historismus beabsichtigt. So weist die Frontfassade Ähnlichkeiten mit einem burgähnlichen, nicht-sakralen Versammlungsgebäude auf, wie uns der Wiesbadener Pfarrer Johannes Lösch erläuterte, der uns herzlich empfing und durch die Kirche führte. Ein Hinweis auf Luthers „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ kommt in den Sinn. Im Vorraum das Taufbecken „Alpha“, da alles beginnt; gegenüber zwei Omega, die auf das Ende hinweisen.
Die Bauvorgabe war, dass Kirchen Versammlungsraum sein sollen, in dem Kanzel, Altar und Orgel eine Einheit bilden und in der Mittelachse untergebracht sind. Tatsächlich vermittelt der holzgetäfelte 18 Meter breite Innenraum, der ohne Stützen auskommt, eine intime wohnliche Atmosphäre mit einer opulenten und dadurch fröhlich anmutenden Ornamentik, die stilistisch - strenger als der liebliche Jugendstil - bereits auf das kommende Art Deco der 1920er Jahre hinweist. Zur reichen Ausstattung gehören vor allem die in kräftigem Grün-, Rot- und Goldfarben gestaltete Jugendstilbemalung und auch die bunten Glasfenster sowie sechs Kronleuchter. Bei dem Bau der Lutherkirche wurde ganz auf einen Chorraum verzichtet, dafür gibt es eine Treppe nach oben zur Kanzel und so man will von der „Sängerbühne“ herabführen, da sich „Himmel und Erde“ treffen im Kreuz auf dem Altar.
Akustisch erlaubt das Kirchengewölbe hochwertige Musikerlebnisse, wie uns der Assistent Sebastian Möller an beiden Orgeln vorführte, die gegenüber auf der vorderen und hinteren Empore eingebaut sind. Auf der Empore über dem Eingang zum Kirchenraum befindet sich die dreimanualige mechanische Klais-Orgel mit 44 Registern von 1979, die sich hervorragend eignet für Musik des Barock und der Moderne. Über dem Altar wurde als eine der ersten großen Orgeln mit pneumatischer Traktur und 50 Registern ein klangschönes Instrument von der Firma Walcker gebaut, den Idealen der „Elsässisch-Neudeutschen Orgelreform“ folgend, das die damals vorherrschende Klangstärke überwindet.
Die Fahrt durch die Stadt nutzte Pfarrerin Sauerwein zu einigen Erklärungen und Hinweisen auf besondere Gebäude, wie den Hauptbahnhof, die Wilhelmsallee, ein repräsentativer Boulevard, seit 1920 benannt nach Wilhelm I. (16. Jh., rsten von Oranien, Graf von Nassau, ein niederländischer Staatsmann und Kriegsherr). Kaiser Wilhelm I. ist mit Kurhaus Theater-Kolonnaden durch viele Besuche verbunden.
Wer noch historisch-kirchliches Interesse hatte, konnte mit Pfarrerin Sauerwein die Marktkirche besuchen, vorbei an den Gebäuden des Stadtschlosses Hessischer Landtag, dem Rathaus und der Innenstadt. Wer wollte, konnte zu Kaffee trinken und Kuchen essen in die Fußgängerzone gehen. Andere verweilten in den Grünanlagen Warmer Damm hinter dem Staatstheater oder im angrenzenden Kurpark.
Die Pfarrerinnen waren ansprechbar und nahbar; es gab Gelegenheit, die neue Pfarrerin Amina Bruch-Cincar kennenzulernen, die auch die Seniorenarbeit künftig betreuen wird. Möglicherweise bietet sich eine weitere Fahrt nach Wiesbaden an zu einem der Orgelkonzerte oder zum musikalischen Programmangebot des Bachchors.
Ein wunderbarer Nachmittag ging zu Ende, wohlbehalten in Darmstadt angekommen. Mit Dank an die Durchführung dieses Gemeindeausflugs: „Leben ist Begegnung.“
Herbert E. Gunkel
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